Wie kann ein Robo Advisor so günstig sein

Die Gebühren von StoneCap liegen bei 1% und somit deutlich unter den Verwaltungsgebühren von den meisten Vermögensverwaltern. UBS, Credit Suisse und auch andere wichtige Vermögensverwalter verlangen insgesamt Gebühren zwischen 1.5% und 3%. In diesem Artikel stellen wir uns die Frage, wie es überhaupt möglich ist, dass StoneCap und generell Robo Advisor so viel günstiger als die traditionellen Vermögensverwalter sein können und trotzdem eine ähnliche Performance erreichen. Dazu gehen wir in diesem Artikel auf die einzelnen Schritte einer Vermögensverwaltung ein und erklären, welche Schritte ein Robo Advisor automatisieren kann und wo es kein weiteres Automatisierungspotenzial gibt. Der Vermögensverwaltungsprozess kann dabei in vier Schritte unterteilt werden: Risikoprofilierung, Onboarding/Compliance, Trading und Strategische Asset Allokation.

Automatisierte Risikoprofilierung

In Privatbanken funktioniert der Prozess immer gleich. Wollen Sie ihr Geld anlegen, müssen Sie zuerst einmal zu einem Kundenberater. Dieser Kundenberater stellt ihnen dann in einem zweistündigen Gespräch standardisierte Fragen zu ihrer Person. Er versucht damit ihre subjektive Risikofähigkeit zu evaluieren. Das heisst, er will herausfinden, mit welchen Marktschwankungen Sie sich wohlfühlen. Andere Fragen hingegen analysieren die objektive Risikobereitschaft. Mit der objektiven Risikobereitschaft will man mehr über Ihre Lebenssituation erfahren, wie zum Beispiel wie viele Personen von Ihnen abhängig sind oder wie hoch Ihr Einkommen ist. Schlussendlich entscheidet jeder Kundenberater individuell, in welche Risikokategorie er den Kunden einstufen will. Es kann daher zu Fällen kommen, in denen ein Kundenberater dem Kunden die Risikostufe „Hoch“ gibt, ein anderer Vermögensverwalter der gleichen Bank ihm jedoch die Risikostufe „Tief“ zuordnen würde. Bei jedem Kundenberater entsteht schlussendlich eine sehr subjektive Risikoeinschätzung des Kunden, die über die Zuteilung zu einem bestimmten Portfolio entscheidet.

StoneCap und auch alle anderen Robo Advisor automatisieren diesen Schritt. Robo Advisor sind der Meinung, da die Fragen bei Banken doch sehr standardisiert sind, dass sie komplett online gestellt werden können. So spart der Kunde Zeit. Der Kunde füllt online einen Fragebogen aus, woraufhin er mit einem gut durchdachten Algorithmus einem bestimmten Portfolio zugeordnet wird. Bei allen Kunden funktioniert dieser Algorithmus gleich. Es gibt also keine subjektive Einschätzung seitens des Kundenberaters.

Das Fazit daraus ist, dass dieser Schritt ohne Probleme automatisiert und Kosten gespart werden können. Diese Kostenersparnisse können dann dem Kunden auch weitergegeben werden.

Automatisches Onboarding, nicht automatisierte Compliance

In einem zweiten Schritt findet die Kontoeröffnung statt. Bei der Kontoeröffnung ist es wichtig, dass der Kunde ein Formular mit den Angaben zu seiner Person ausfüllt, damit die Bank weiss, mit wem sie ein Geschäftsverhältnis eingeht. Normalerweise schickt die Bank dem Kunden Verträge zu und der wiederum füllt diese Verträge händisch aus und schickt sie unterschrieben zurück. Die Bank muss dann die Angaben des Kunden prüfen (Compliance) und eröffnet daraufhin ein Konto.

Beim Robo Advisor funktioniert der Prozess etwas anders. Der Kunde trägt die Daten online ein, während die Verträge im Hintergrund automatisch beschrieben werden. Die Eröffnung des Kontos und die Signatur der Verträge können dann in einem Videochat direkt abgeschlossen werden. Dies führt zu tieferen Kosten beim Robo Advisor und erhöht den Kundenservice. Im Gegensatz zu der Unterzeichnung der Verträge kann die Compliance, also die Überprüfung des Kunden aber noch nicht zufriedenstellend automatisiert werden. Die Partnerbank von StoneCap muss Hintergrund Checks über den Kunden machen, um zu prüfen, wie der Kunde sein Geld erwirtschaftet hat und ob dies plausibel ist. Zudem muss überprüft werden, ob der Kunde gegen irgendwelche Geldwäschereigesetze verstossen hat oder ob er in irgendeiner Weise mit Terrorfinanzierung in Verbindung gebracht wird. Es gibt hier einzelne Ansätze und Ideen von Startups, wie Compliance Checks automatisiert werden können.  Grundsätzlich ist dieser Schritt aber noch nicht befriedigend automatisiert.

Fazit dieses Schritts ist, dass das Onboarding von Robo Advisor hoch automatisiert ist. Es gibt aber auch viele traditionelle Vermögensverwalter, die hier Fortschritte gemacht haben und diesen Schritt schon komplett automatisieren. Dieser Schritt führt deshalb nicht zu unterschiedlichen Kosten bei Banken und Robo Advisor.

Automatisches Trading

Dies ist einer der wichtigsten Schritte, wie Robo Advisor ihre Prozesse automatisieren und einen Kostenvorteil gegenüber traditionellen Vermögensverwaltern erreichen können. Die Fragestellung lässt sich am besten mit einer interessanten Fragestellung erklären: Viele Kunden haben StoneCap gefragt: „Könnte ich nicht einfach auf die Internetseite von StoneCap gehen, das Anlageuniversum der sorgfältig ausgesuchten ETFs anschauen und dann alle ETFs kaufen?“ Diese Frage lässt sich mit einem „Ja, aber“ beantworten. Im Prinzip könnte das der Kunde tatsächlich machen. Schlussendlich würde er aber schlechter dastehen. Sobald der Kunde 10 bis 14 ETFs kauft, verursacht er für sich selber Trading Kosten. Zudem muss er ständig sein Portfolio evaluieren, Research betreiben und eventuell umschichten, um die Aktien- und auch Anleihenquote auf einem annehmbaren Niveau zu halten. Eine Umschichtung kostet jedes Mal Geld und die Beobachtung der Märkte Zeit. Der Trick bei einem Robo Advisor ist, dass er sogenannte Blocktrades durchführt. Es wird folglich nicht für einen Kunden ein ETF verkauft oder gekauft. Es werden für alle Kunden zusammen 10-14 Trades ausgeführt und die ETFs dann wieder auf die Portfolien der einzelnen Kunden verteilt. Bei jeder monatlichen oder quartalsweisen Umschichtung werden dann jeweils 10-14 Trades ausgeführt. Durch diese sogenannten Blocktrades hat ein Robo Advisor deutlich tiefere Kosten im Vergleich zu einem traditionellen Vermögensverwalter und auch gegenüber einem Kunden. Der Kunde bezahlt deshalb auch keine Trading Gebühren, nicht einmal beim Verkauf seines ganzen Depots.

Zusätzlich muss erwähnt werden, dass es kostentechnisch für einen Robo Advisor keine Rolle spielt, was für Instrumente er einsetzt. Viele Robo Advisor haben sich auf ETFs festgelegt, da sie diese Finanzinstrumente gegenüber anderen Instrumenten bevorzugen. Es könnten aber auch andere Finanzinstrumente sein wie Funds, Hedge Funds oder Einzeltitel.

Hybrides Anlagemodell

Obwohl in Zeitungen und auch in vielen Zeitschriften immer wieder geschrieben wird, dass der essentielle Teil eines Robo Advisor die Automatisierung des Anlagemodells ist, ist dies aus Sicht eines Robo Advisors doch sehr fehlgeleitet. Es wird in Zeitungen kommuniziert, dass ein Computer ständig die Märkte analysiert und dann in einem Bruchteil von Sekunden Trades auslöst. Wenn diese Trades dann fehlschlagen, führt dies zu einem Einbruch der Vermögenswerte in den Portfolios der Kunden. Der Kunde trägt damit ein erhebliches Risiko.

Diese Darstellung der Tatsachen könnte nicht fehlgeleiteter sein. Erstens haben viele der grösseren Robo Advisor nicht ein quantitatives Modell oder in anderen Worten einen Roboter, welchen für sie die strategische Asset Allokation macht. Meistens entscheidet sowohl bei traditionellen Vermögensverwaltern als auch bei Robo Advisor ein Team aus Experten darüber, wie viel Prozent ein ETF im Portfolio ausmachen soll und ob man momentan Aktien oder Obligationen im Portfolio übergewichtet oder untergewichtet. Die sogenannte strategische Asset Allokation basiert in diesen Teams deshalb auf viel Research und der genauen Beobachtung der Märkte.

Bei StoneCap haben wir einen hybriden Ansatz gewählt. Dieser ist aber immer noch weit näher am traditionellen Ansatz als an einer komplett automatisierten Lösung. Auf der einen Seite hat das Investment Team von StoneCap ein automatisiertes Modell entwickelt, um die Prozente der verschiedenen ETFs in den Portfolios zu bestimmen. Dieses Modell ist eine innovative Abwandlung des Nobelpreisegekürten CAPM Modell, wobei die Varianz und Rendite von mehreren 1’000 ETF Kombinationen durchgerechnet und analysiert wird, um schlussendlich die optimalen Portfolios für den Kunden zu bestimmen. In einem zweiten Schritt werden die Berechnungen des Modells dann vor jeder Umschichtung unserem Advisory Team vorgestellt. Das Advisory Team vergleicht die Berechnung mit der eigenen Einschätzung der Konjunkturlage und der Aktienmärkte. Stimmen die beiden Einschätzungen nicht überein, kann das Advisory Team das CAPM Modell überstimmen und die Gewichte der ETFs anpassen. Unser Advisory Team besteht hauptsächlich aus ehemaligen Chef-Ökonomen von unterschiedlichen Banken und Versicherungen, die sich mehrheitlich auf makroökonomische Zusammenhänge und Geldpolitik spezialisiert haben.

Grundsätzlich muss bei diesem Schritt erwähnt werden, dass bei der Asset Allokation von Robo Advisor sehr viel Research betrieben werden muss. Dieser Schritt kann ohne Qualitätsverlust nicht automatisiert werden. Deshalb werden in diesem Schritt auch keine Kosten eingespart.

Wieso Robo Advisor nicht Robo Advisor heissen sollten

Robo Advisor sind Online Vermögensverwalter, in denen viele Prozesse automatisiert und verbessert wurden. Durch die Automatisierung der Prozesse wird dem Kunden ein eleganter Online Service geboten. Zudem führt die Automatisierung zu Kosteneinsparungen, welche den Kunden weitergegeben werden können. Es muss erwähnt werden, dass gegen die herkömmliche Meinung vieler Zeitungen der Robo Advisor keine Maschine ist, welche man nicht aufhalten kann. Viele Elemente im Robo Advisor wie zum Beispiel die Auswahl der Finanzinstrumente oder auch die Gewichtung der ETFs im Portfolio (strategische Asset Allokation) werden immer noch händisch durchgeführt. Hier muss also weiterhin viel Research betrieben werden. Dies ist aber auch der Hauptgrund, wieso der Service bei Robo Advisor eine ähnliche oder bessere Qualität hat als die ursprünglichen Vermögensverwalter.